DIE NEBENSONNEN

VIDEOINSTALLATION ,



 

 

 

 

In DIE NEBENSONNEN verkörpere ich nach ikonographischen
Vorlagen 16 Heiligenfiguren, die für mich durch ihre Attribute und
Geschichten im Laufe meiner Entwicklung ein wichtiger Teil meines
Lebens geworden sind.

In allen verwendeten Figuren erkenne ich Teile meiner Persönlichkeit
wieder, bei manchen Figuren mehr, bei manchen etwas weniger. Darüber
hinaus fungieren die Heiligenfiguren als Role-Models und das noch
immer trotz ihrer antiquiert anmutenden Erscheinungen. Sie und ihre
Bilder sind, auch wenn bei den meißten Personen unbewusst, im
europäischen Allgemeingedächtnis verankert. Denn selbst wenn die Bedeutung
der einzelnen Figuren nicht klar ist, so funktionieren visuelle
Darstellungen von Blut, Schweiß oder Tränen auch heute noch.

Der Betrachter findet sich in der Installation von den Heiligen-
figuren umgeben, die alle von einer Person, mir, verkörpert werden.
Die jeweils acht gleichzeitig erscheinenden Charaktere sind er- bzw.
überhöht projeziert. Sie stehen miteinander im Dialog, jedoch eigentlich
im Monolog. Zu Beginn der Aufnahmen nehme ich die Position ein, in der
die jeweiligen Ikonographien zumeist abgebildet werden. Meine eigene
innere und  äußere Haltung entwickelte sich während des performativen
Prozesses. Persönliche Empfindungen gegenüber der verkörperten Figur und
Erinnerungen beeinflussten diesen immanent.

Erzogen in einem katholischen Umfeld, spielten für mich Heilige
schon von klein auf eine bedeutende Rolle. Sie begleiteten
mich ständig, zumindest war das Teil meiner kindlichen Vorstellung.
Die Heiligen mit ihren Attributen und inhaltlichen Positionierungen
sind ein mit mir gewachsener Teil meiner selbst. Ich reinszeniere
die Figuren ohne eine neue Rolle erlernen zu müssen, da sie durch die
in der Kindheit mitgegebenen Werte und Wertekonstruktionen in mir
angekommen sind.