CARRY ME HOME LITTLE BEAR

MIXED MEDIA INSTALLATION , 2010



 

 

2 VIDEOPROJEKTIONEN, SOUND, JÄGERHOCHSTAND (HOLZ)

 

Das Thema Wald ist gerade im deutschen Allgemeinverständnis eines ohne zeitlichen
Verfall. Am Wald, gerade am Begriff des „deutschen Waldes“, haftet von jeher ein eigenes, ein
deutsches Selbstverständnis definierendes Element. Von der Schlacht im Teuteburger
Wald über Caspar David Friedrich, Heinrich Heine,  „Hänsel und Gretel“ über den Begriff der
„deutschen Eiche“ zu Anselm Kiefer. Der Begriff Wald ist aufgeladen mit unterschiedlichsten
politischen und geschichtsbildenden Meinungen.

Der Wald ist Naherholungsgebiet am Tag und Schreckensort sobald es dunkel
ist – daran hat sich seit Menschengedenken nichts geändert. Diese aufeinander-
prallenden Ambivalenzen bewegten mich eine dreiteilige Serie, MY INNER WOODS,
zum Thema Wald zu entwerfen. In allen drei Arbeiten sollen verschiedene, teils rein
subjektive Aspekte zum Wald hervortreten:

Im ersten Teil, THE GOOD AND THE EVIL die Polarität, die ein- und derselbe Ort aufgrund
erlernter, subjektiver Befindlichkeiten wie z.B. der Angst aufweisen kann.

Im zweiten Teil CARRY ME HOME LITTLE BEAR thematisiere ich anhand des Wald-
und Naturmotives die Begriffe Geborgenheit und Verlustangst.

Ein gewöhnlicher, normalerweise im Wald stehender Jägerhochstand
dient dazu, Macht aus dem Inneren der Kanzel auf die Umgebung zu
transformieren. In meiner Arbeit CARRY ME HOME LITTLE BEAR wende
ich durch die alleinige Installation des Hochstandes dieses Prinzip an,
drehe jedoch die gewohnten Bedingungen um.

Nicht Mensch, sondern ein, von einem Menschen inszenierter, Bär beobachtet
den Besucher von oben herab.  Hier wird von vorneherein die Inszenierung der
Installation bloßgelegt und gleichzeitig verstärkt. An der einen Seite der Kanzel
wächst der Wald aus dem Hochstand heraus, nimmt äußeren Raum ein. An der
dritten Seite des Hochsitzes wird der Betrachter auf eine unaufhaltsame Fahrt
in den dunklen Wald mitgenommen.

In der Kanzel, die dem Prinzip nach ein Haus  darstellt befindet sich ein Projektion
eines Bärenkostümes, ein dunkler Wald und Sound der der menschlichen
Wahrnehmung einen Streich spielt. Es vermischt sich der Gesang der Regensburger
Domspatzen(“Wenn ich ein Vöglein wäre“) mit dem Gebrüll von Wölfen, Bären,
Vogelgezwitscher und dem ängstlichen Fiepen junger Frischlinge.

Vieles was in der menschlichen Wahrnehmung Wald ausmachen kann, befindet sich im
Innersten des eigentlichen menschlichen Schutzpunktes, der Hütte die zugleich Machtmittel ist.