AND THEN WE WOULD CALL GRAN AND TELL HER HOW GREAT IT WAS.“

VIDEOARBEIT , 2009


GRUPPENAUSSTELLUNG ART-RESIDENZ KIRSCHAU,
KIRSCHAU

19.09.09


 

 

 

VIDEOARBEIT, 2009
HDV, 16:9, 7:53 Minuten,

 

Als Kind stand ich oft minutenlang gebannt vor großen Werbetafeln, mich vertiefend und wieder
herausziehend aus all den kleinen farbigen Punkten, aus denen die Farbflächen bei solchen
Plakaten bestehen. Dies tat ich so lange bis mir endgültig übel wurde und ich genug hatte von
dieser eigenen Welt im Kleinen. Die CMYK-Punkte stellte ich mir dabei als Planeten vor, und die
Einzelnen Farbanhäufungen als Galaxien und das ganze Plakat als Sternensystem und…und dann
war auch schon Schluss, dann kam die Ermahnung meiner Mutter, nun doch endlich weiterzugehen.

 

Begonnen hat die Idee zu AND THEN WE WOULD CALL GRAN AND TELL HER HOW GREAT IT WAS.“
bei einem Besuch des Natural Science Museum in London, als ich miterleben und fimen konnte,
welchen Spaß Kinder im Innenhof des Museums beim Spielen im Wasser hatten.
Ich beobachtete mit meiner Kamera einen Jungen beim herumtollen im Wasser. Er rannte herum,
spritzte sich und andere Kinder nass,  bis er von seiner Mutter beim Spielen gestoppt wurde.
Diese wurde nämlich plötzlich gewahr, wie nass ihr Sohn war. Er durfte fortan nur noch den
anderen Kindern beim Spielen zugucken, während er von ihr trocken gerieben wurde. Das Bild
der ermahnenden und sich sorgenden Mutter zieht sich gleich einem roten Faden durch die Arbeit.

 

Diese offensichtliche Schnittstelle zwischen adulter und kindlicher Wahrnehmung war für mich
Anreiz und Beginn einen Ausflug in meine frühere, mir eigene kindliche Wahrnehmungswelt zu unternehmen.

 

In AND THEN WE WOULD CALL GRAN AND TELL HER HOW GREAT IT WAS.“  versuche ich die
verschiedenen subjektiven Momente, aus denen die unterschiedlichen Wahrnehmungen
immanent bestehen auszuloten. Eckpunkte dieser Videoarbeit sind die situativen Befindlichkeiten,
egal ob diese die Wahrnehmung von Kindern oder Erwachsenen definiert.

 

Die auditive Ebene wird bestimmt durch einen experimentellen, von mir zum Video performten
Klangteppich, der sich immer wieder neu definiert und doch vertraut bleibt.
Ein naives, kindliches PLING PLING das im Gegensatz zu den klaren Bildern jeglichen Ernst,
jedwede Nüchternheit vermissen lässt und im Grunde genommen mit Ihnen spielt. Die eigentliche
Geräuschkulisse, das Rauschen des Windes, die Ermahnungen der Mutter, alles was zur
dokumentarischen, objektiven, zur adulten Wahrnehmung dazugehört wird von den verspielten
Tönen überlagert und in den Hintergrund gedrängt.

 

Letztlich wird die Wahrnehmung unserer vielschichtigen und komplexen Gegenwart auf
individuelle Befindlichkeiten und durch die uns umgebende und beeinflussende Rezeption
reduziert. Oft jedoch gibt es diese offensichtlichen Gruppen nicht, da ist man einfach man
selbst, mit den ganz eigenen Blicken und Gefühlen. Kurz: Da ist man alleine in der eigenen Welt.